Wegdriften ist die größte Herausforderung bei Samaya.

Warum ist das so? Wähle bitte unten aus …

Worum es geht

Ursprünglich haben wir mit dem Wegdriften (Dissoziation) ja als Notmaßnahme begonnen. Zu einer Zeit, als es nicht sicher war, im Körper und „voll da“ zu sein. Wir tauchten damals immer wieder ab, um die Gegenwart nicht allzu unmittelbar zu erfahren. Wir drifteten weg, weil wir es nicht aushielten, im Körper zu sein und die Situationen voll lebendig zu erleben. Das war damals not-wendig und hilfreich. Der damit verbundene Abstand zu uns selbst wird jedoch zum Hindernis, sobald die Notsituation vorbei ist.

Welche Art von Situationen führen zu einer solchen Notmaßnahme?

Manchmal ist es ein einzelnes traumatisierendes Erlebnis, das uns so reagieren lässt. Meist aber sind es langandauernde Lebensumstände. Wenn wir immer wieder Gewalt und Übergriffe erleben, bleibt uns oft nur das Wegdriften, um uns diesem Erleben innerlich zu entziehen. Aber auch Umstände, die von außen betrachtet als “weniger schlimm“ beurteilt werden, können zum Wegdriften führen. Langandauernde Verlassenheit gehört dazu. Auch die innere Verlassenheit, wenn die Eltern zwar äußerlich da sind, aber nicht genug nährende Verbindung zu ihnen spürbar ist.

Wir haben das Wegdriften also aus guten Gründen erlernt und in uns verankert. Es ist eine hohe Leistung von Körper und Seele, bei der verschiedene Anteile und Prozesse aktiv sind. Manchmal bewegen wir uns so schon Jahrzehnte lang mit viel Pufferzone und wenig Kontakt zu Körper und Gefühlen durchs Leben.

Es geht jetzt also keineswegs darum, einen sogenannten „Widerstand“ zu durchbrechen oder das Wegdriften zu überwinden. Es geht darum, Geborgenheit und Präsenz zurückzugewinnen, und zwar in den Schichten und an den Stellen unserer inneren Welt, wo wir sie verloren haben. Das geht am besten, wenn wir uns dem Wegdriften mit dem gebührenden Respekt nähern und es liebevoll-neugierig erkunden. Je mehr Akzeptanz dabei mitschwingt, desto leichter kann sich dieser Teil in uns entspannen …

… und wohlige Präsenz im Körper wird möglich. 🙂

Wegdriften, wegbeamen, abtauchen (Dissoziation) kann unterschiedliche Formen annehmen.

Zum Beispiel kann ich mich derartig in Gedanken oder Bildern verwickeln, dass die Körperwahrnehmung verlorengeht, oder ich fühle einen starken Drang einzuschlafen und die Ebene der Körperwahrnehmung zu verlassen.

Die schlechte Nachricht: Dissoziation ist vor allem deswegen eine besondere Herausforderung für den Samaya-Schüler, weil sie sich in geradezu idealer Weise dazu anbietet, schlechtgemacht zu werden

„Jetzt habe ich schon eine Sitzung, und anstatt eine anständige Ausweitung hinzulegen, drifte ich dauernd weg!“

Und es ist klar: solange wir das Wegdriften schlechtmachen, befinden wir uns in einem aussichtslosen Kampf gegen uns selbst und haben keine Chance voranzukommen.

Die gute Nachricht: “Unbewusstheit in Bezug auf die Körperwahrnehmung” ist genauso integrierbar wie alles andere auch. Was wir dabei gewinnen, ist mehr Präsenz in dieser Schicht unserer Gefühle und in dem damit verbundenen Aspekt unseres Daseins.

Der Dreh- und Angelpunkt beim Integrieren von Unbewusstheit ist der „Punkt ohne Wiederkehr“.

Es ist genau der Moment, bevor wir wegdriften. Jedes Mal, wenn wir in diesem Moment dableiben und wahrnehmen können, was innerlich passiert, gewinnen wir ein Stück Präsenz zurück.

Es hilft dabei stärker zu atmen und auf alle Einzelheiten zu achten.

Was zieht uns weg? Fühlt es sich an wie Nebel, der aufsteigt? Ein Sog, der uns am Nacken packt? Oder sind es Bilder, die uns wegtragen wie in einer Traumsequenz?

Alle diese Einzelheiten können der Einstieg sein, um eine Schicht Wegdriften integrieren zu können.

Oft spielt bei der Dissoziation auch eine Schicht Nicht-Spüren-Wollen eine Rolle, oder auch Scham, beziehungsweise Abspaltung aufgrund von traumatischen Erlebnissen.

Ein ausgebildeter Samaya-Lehrer kann helfen, auf die sich zeigenden Spuren einzugehen und den Kontakt zum Körper wieder herzustellen.

Entscheidend ist hier, genug Energie und Präsenz aufzubringen, so dass wir uns den Drang, den Körper mit unserer Aufmerksamkeit zu verlassen, in all seinen Symptomen und Nuancen vergegenwärtigen können.

In extremen Fällen hilft es, sich hinzustellen und voll und schnell zu atmen. Das volle und schnelle Atmen setzt dem Sog, den Körper zu verlassen, einen Gegensog entgegen, der uns im Körper verankert

Es gibt drei Stränge, die wir stärken können, wenn wir Präsenz in unserem Körper und in unserem Leben zurückgewinnen wollen. 

  • Offenes Samaya – zurück in den Körper kommen
  • Themenzentriertes Samaya – Situationen tiefer erleben und verarbeiten
  • Die innere Landkarte erneuern – mehr Raum für Gefühle gewinnen

Wenn wir Samaya praktizieren, gewinnen wir schrittweise unsere Verbindung zu Körper und Gefühle zurück.

Bei offenem Samaya konzentrieren wir uns dabei von Anfang an auf das mögliche Ausmaß an Wohlgefühl im Körper und vertiefen es Schicht für Schicht. Das stärkt unsere Basis, uns im Körper sicher und geborgen zu fühlen und vertieft sie zunehmend. Vor diesem Hintergrund merken wir deutlich, wenn wir beginnen abzudriften und uns vom Körper zu entfernen.

Tatsächlich kenne ich keine andere Methode, bei der Dissoziation so klar hervortritt – und so direkt zu erkunden und zu integrieren ist. Und das geschieht einfach nur, indem wir die deutlich werdenden Symptome des Wegdriftens erkunden und in unsere bewusste Wahrnehmung integrieren. Allein dadurch gewinnen wir schon Verbindung zum Körper und Präsenz im Leben zurück.

Eine Herausforderung ist dabei, dass die Abzweigungen ins Wegdriften nicht mit spektakulären Empfindungen einhergehen, sondern im Gegenteil: Sie sind so subtil wie aufziehender Nebel oder ein kaum wahrnehmbarer Sog, und sie entziehen sich gerne der oberflächlichen Wahrnehmung. Nur gut, dass mit Samaya unsere Fähigkeit zu subtiler Wahrnehmung verfeinert und verstärkt wird. Wir können solchen Fragen nachgehen wie: Welche Stimmung begleitet diese Bilder? Wo gehe ich hin, wenn ich wegdrifte? Wo bündelt sich dann meine Präsenz? Über mir? Links oder rechts?

Energiewellen surfen
Eine Möglichkeit, die Verbindung zum Körper zu vertiefen, besteht darin, immer wieder gezielt eine energetische Ausweitung in Gang zu bringen und dann die deutlich werdenden Grenzen zu integrieren.

Nutze dazu die Version der Samaya-Meditation, bei der Atemgeräusche im Hintergrund zu hören sind, aber auf andere Art:

Bei der Samayaphase legst du den Fokus auf die Energetisierung und bei der Meditationsphase fokusierst du dich auf offenes Samaya und Integration.

Direkter Link zur Samaya-Meditation =>

Nachbereiten – Vorbereiten

(Aus dem Buch: “Negative Gefühle?”)

Sicher hast du schon erlebt, wie ein stressiges Erlebnis noch nachwirkt; wie du unterschwellig weiter daran denkst und dich unwohl fühlst. Oder wie du schon vor einem brisanten Vorhaben nervös wirst. Normalerweise versuchst du dann vielleicht, dich zu beruhigen und die unangenehmen Gefühle wieder wegzustecken. Das wäre eine verpasste Gelegenheit. Diese Beschäftigung deiner Seele mit bestimmten Situationen folgt nämlich dem natürlichen Impuls, Erfahrungen vor- und nachzubereiten.

Warum das nicht ganz bewusst für dich nutzen? Angenommen es gibt eine typische Konstellation, in der du dich oft unwohl und angespannt fühlst. Zum Beispiel ein Treffen mit Arbeitskollegen, bei dem du dich meist ausgeschlossen fühlst. Nun hast du gerade wieder eine solche Situation erlebt; und sie wirkt noch nach. Während des Geschehens selbst konntest du deine Gefühle noch nicht annehmen und integrieren. Aber jetzt, nach dem eigentlichen Erlebnis, kannst du es! Dazu nimmst du dir möglichst bald genug ungestörte Zeit und gehst im Nachhinein noch einmal in die Erfahrung hinein. Am besten wird dir das gelingen, wenn du anhand der Übungen das Terrain schon ein bisschen vorbereitet hast und Gefühle wie Wut und Traurigkeit als herausgeforderte Gefühle verstehen und annehmen konntest.

Beim Nachbereiten wendest du dich also in Ruhe den noch spürbaren Gefühlen zu. Du lässt das Verbotsschild »Negative Gefühle« bewusst hinter dir und erkundest deine Gefühle in all ihren Facetten. Je mehr du dabei der Spur deiner Gefühle bis zu ihrem Ursprung folgst, umso klarer wird auch, was davon zu der aktuellen Erfahrung gehört und was zu längst vergangenen Erlebnissen.

Der sichere Rahmen bei der Nachbereitung hilft dir dabei, deine Gefühle so genau und auf einer tieferen Ebene zu erspüren und zu verarbeiten. Du gewinnst dabei inneren Raum und Klarheit gegenüber dieser Art von Konstellationen. In ähnlichen Situationen wirst du in Zukunft entspannter sein. Du wirst mit dir selbst in Verbindung bleiben und so bewusster handeln können.

Auf ganz ähnliche Weise kannst du brisante Vorhaben auch etwas vorbereiten. Wenn dir wieder eine herausfordernde Situation bevorsteht, und du spürst vorher schon dazu aufkommende Gefühle, kannst du dich auf ähnliche Weise mit den Gefühlen verbinden und dafür sorgen, dass sie sich in einem geschützten Raum zu Ende bewegen. Sie werden das reale Geschehen dann weniger aufladen, und du wirst leichter damit umgehen können. Wichtig ist dabei jedoch, dass sich die Gefühle wirklich zu Ende bewegen und klären. Denn eine unvollständige Vorbereitung kann dazu führen, dass du mit den noch halbverdauten Gefühlen in die Situation hinein gehst.

Übung: Nachbereiten, Vorbereiten

1. Du denkst an die herausfordernde Situation und erinnerst dich an die brisanten Einzelheiten (bzw. malst sie dir vorbereitend aus).

2. Du spürst nach, wie sich das anfühlt und wo du dazu etwas spürst.

3. Du lenkst deinen Atem und deine Körperwahrnehmung dort hin.

4. Du folgst der Spur deiner Gefühle, so dass sie deutlicher werden und nimmst diese an.

5. Du wiederholst die Schritte 1 – 4 so lange, bis du an die Situation denken kannst und dich vollkommen ruhig dabei fühlst.

Dort, wo wir in unserer inneren Welt immer wieder abdriften, befinden sich auf unserer inneren Landkarte Abzweigungen und Umleitungen. Diese spiegeln sich auf der Ebene unserer unbewussten Gedanken wider. Mit der Raumöffner-Übung können wir sie bewusst ansprechen und so die innere Landkarte erneuern.

Wir nutzen dazu Sätze, die sich auf unseren Umgang mit Gefühlen beziehen. Die Wirkung kommt dabei nicht durch gebetsmühlenartiges Wiederholen zustande, sondern indem wir uns mit der Bedeutung der Aussage verbinden und spürbar Ausweitung und Integration in das Thema bringen.

Ein paar Beispiele für solche Sätze.

»Es ist jetzt sicher, ganz lebendig und voll da zu sein!«

»Ich habe das Recht, mich wohlzufühlen.«

»Es ist okay für mich, alle meine Gefühle zu spüren.«

»Es ist jetzt sicher, alle meine Gefühle zu spüren«

»Es ist jetzt okay für mich, meine Wut (Angst, Traurigkeit) zu spüren.«