Die (überschätzte) Rolle des Nervensystems
Dieser Artikel und meine Sicht auf dei Polyvagal-Theorie sind noch in Arbeit. Ich freue mich über jeden Beitrag in den Kommentaren. Das ist jedes Mal ein Anstoß, der meine weitere Beschäftigung damit formen wird.
“Ich mache ständig Übungen für mein Nervensystem. Aber es hilft nichts. Ich quäle mich trotzdem mit Wut und Angst herum. Ich krieg mein Nervensystem einfach nicht reguliert.”
Solche Aussagen habe ich derart oft in diversen Traumagruppen auf Social Media gelesen, dass es mir aufgefallen ist. Meine Vermutung wurde dann bestätigt. Es gibt hier eine weitverbreitete Lücke im Verständnis von Traumaheilung, die fatale Konsequenzen hat.
Ja, das Nervensystem spielt eine Rolle bei der Entstehung von Trauma und bei seiner Heilung. Aber welche?
Ich sehe in der Praxis, wie viel es ausmacht, wenn die Rolle des Nervensystems überschätzt wird.
Gerade in letzter Zeit kommen vermehrt Menschen zu mir, die zwar Übungen gelernt haben, um ihr Nervensystem zu regulieren, aber dennoch immer wieder von den Gefühlen ihrer Traumathemen überwältigt werden.
Warum hat sich die Theorie, dass für Traumheilung der Fokus auf das Nervensystem entscheidend ist, so stark verbreitet?
Vor allem seit die Polyvagal-Theorie von Dr. Stephen Porges populär wurde, hat sich der neurozentrierte Ansatz in großen Teilen der Traumatherapie durchgesetzt. Es gibt Neurogenes Zittern, Neurofeedback, das Neurosequentielle Modell und tausende Posts auf Social Media, in denen Therapeuten mit Hinweisen zum Nervensystem werben.
Es entsteht der Eindruck, dass die komplexen Schritte, die in der Traumatherapie nötig sind, hauptsächlich durch die Regulation des Nervensystems abgedeckt werden.
Dieser starke Fokus auf das Nervensystem erfüllt bestimmte Bedürfnisse, bringt gewisse Vorteile mit sich – und drei erhebliche Nachteile.
Vorteile der Polivagal-Theorie
Ein Vorteil hat mit einem dringenden Bedürfnis von Traumabetroffenen zu tun. Bevor sie sich tiefer mit dem Thema beschäftigen, denken sie oft:
“Irgendetwas stimmt nicht mit mir. Ich bin nicht normal. Ich weiß nicht, was mit mir passiert. Ob es überhaupt Hilfe für mich gibt?” Sie suchen dringend nach einer Erklärung, die ihr Problem einordnet und verständlich macht.
Viele Betroffene finden dann das wissenschaftliche Vokabular der Polyvagal-Theorie beruhigend. Sie erfahren, dass ihr Zustand bekannt ist und einen Namen hat, der noch dazu wissenschaftlich klingt.
Sie stehen nicht mehr ratlos vor ihrem verstörten Inneren. Vor dem Verlust ihrer Funktionsfähigkeit. Statt zu sagen: “Ich bin ständig aufgewühlt und kriege meinen Alltag nicht mehr geregelt”, können sie gemäß der Polyvagal-Theorie sagen: “Der ventrale Ast meines Vagusnervs ist dysreguliert.” Mit dem naturwissenschaftlichen Begriff geht der Eindruck einher, nun das Problem etwas besser im Griff zu haben.
Dieser Vorteil steht allerdings auf wackeligen Beinen, denn gerade die Wissenschaftlichkeit der Polyvagal-Theorie ist umstritten. Wer sich damit beschäftigen möchte, findet Links zur Kritik und zur Entgegnung am Ende des Artikels.
Für mich selbst ist dieser Streit um die Wissenschaftlichkeit nicht so wichtig, wie etwas anderes: Wirksamkeit. Und nachhaltiger als die Beruhigung durch den wissenschaftlichen Begriff wirkt ein anderer Vorteil:
Im Zusammenhang mit der Polyvagal-Therapie werden oft Atem- und Körperübungen empfohlen, die das Stressniveau senken und das autonome Nervensystem regulieren.
Viele solcher Übungen habe ich im Rahmen meiner Ausbildung Ende der siebziger Jahre kennengelernt, also lange bevor die Polyvagal-Theorie veröffentlicht wurde. Sie sind auch ohne deren Erklärungsrahmen wirksam. Das Verdienst der Polyvagal-Theorie ist hier, diese Übungen einem breiteren Publikum bekannt zu machen.
Aber der Fokus auf das Nervensystem hat auch Nachteile. Drei davon will ich hier beschreiben:
Erster Nachteil: Überschätzte Rolle
Wann passt der Fokus auf das Nervensystem? Das hängt stark davon ab, von welcher Form von Trauma wir reden. Bei reinem Schocktraume (Unfall, Gewalt), stehen die festsitzenden körperlichen Stressreaktionen im Mittelpunkt. Hier kann der Fokus auf das Nervensystem die Hauptrolle spielen.
Wie ist das jedoch bei der am meisten verbreiteten Form von Trauma? Bei den seelischen Verletzungen, die wir in früher Kindheit davontragen? Wie ist das bei komplexem Trauma? Im Kern dieser Verletzungen liegen traumabezogene Gefühle, die noch nicht verarbeitet sind. Also unterdrückte Traurigkeit, Angst, heftige Wut, Verlassenheitsschmerz.
In diesen Gefühlen hat unsere Seele auf das verletzende Geschehen antworten wollen. In diesen Gefühlen steckte ihr Versuch, das Geschehen zu verarbeiten und wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Diesen gesunden Versuch natürlicher Selbstregulation zu unterdrücken und sich stattdessen widrigen Verhältnissen anzupassen, war damals eine unvermeidliche Notmaßnahme.
In der Therapie geht es nun darum – jetzt, wo die damalige Geschehnisse und die Not vorbei sind – die traumabezogenen Gefühle zu erspüren und im Nachhinein zu verarbeiten. Das ist für sich genommen kein Problem, sondern not-wendiger Teil der Heilung.
Solange ich solche Gefühle jedoch noch als negativ und bedrohlich erlebe, schaltet mein Nervensystem in den Alarmzustand, sobald solche Gefühle aktiviert werden.
Es braucht hier also dringend eine grundlegende Änderung meiner Haltung gegenüber den traumabezogenen Gefühlen. Ansonsten werde ich solche Gefühle weiter als gefährlich erleben – und folglich mein Nervensystem nicht beruhigen können.
Anders gesagt: Solange solche Gefühle noch als bedrohlich gelten – und deswegen innerlich Alarm auslösen – solange spielt das Nervensystem nicht die Hauptrolle.
Stattdessen steht meine innere Haltung gegenüber diesen Gefühlen im Mittelpunkt. Denn: Sobald ich diese Gefühle nicht mehr als negativ erlebe, sobald ich sie zutiefst willkommen heiße, können sie sich zu Ende bewegen – und das Nervensystem reguliert sich von selbst.
Genau das steckt hinter meinen eigenen Erfahrungen und dem, was ich immer wieder bei meinen SchülerInnen sehe: Dass nämlich die tiefsten Erlebnisse von innerer Geborgenheit und Entspannung direkt nach einer emotionalen Integration entstehen. Wenn ein traumabezogenes Gefühl sich endlich zu Ende bewegen kann und bei uns ankommt. Ganz ohne gezielte Regulation des Nervensystems.
Brauche ich bei emotionalem Trauma das Nervensystem also gar nicht gezielt zu regulieren? In seltenen Fällen kann ein dysregulierter Zustand verhindern, dass wir bei der direkten Wahrnehmung von Körper und Gefühlen ansetzen können. Dann kann der indirekte Weg über das Nervensystem helfen. Als erster Schritt. Der zweite und entscheidende Schritt ist dann die vorhandene Körperwahrnehmung zu vertiefen und einen besseren Umgang mit den traumabezogenen Emotionen zu ermöglichen.
Auf den Punkt gebracht:
Ich kann gegen meine Gefühle weiterhin ankämpfen und dabei krampfhaft versuchen, um den Aufruhr herum mein Nervensystem zu beruhigen. Oder ich lasse meine Gefühle bei mir ankommen, und mein Nervensystem beruhigt sich von selbst.
Auch wenn ich weiß, wie ich meinen Vagusnerv regulieren kann, ersetzt das also nicht die Aufgabe, meine emotionale Integrationsfähigkeit zu stärken. Der übertriebene Fokus auf das Nervensystem verstellt jedoch den Blick darauf.
Zweiter Nachteil: Erschwerung des direkten Zugangs
Nehmen wir an, in mir werden starke Gefühle von Verlustschmerz aktiviert. Dumpf im Herzbereich spürbar, aber noch durch Spannungen ausgeklammert und unterdrückt.
Der natürliche direkte Zugang über die Körperwahrnehmung wäre dann zum Beispiel:
“Ich spüre einen Druck auf der Brust. Aber ich wünsche mir so, da frei atmen zu können! Wenn ich dem folge und dort hin atme, merke ich, dass da alte Traurigkeit sitzt. Ich werde mich jetzt der Traurigkeit liebevoll zuwenden und sie verarbeiten.”
(Wenn es schwerfällt, traumabezogene Gefühle zu verarbeiten, wäre der nächste Schritt, das zu lernen.)
Gemäß der Polyvagaltherapie würde ich dagegen denken:
“Ich fühle mich schlecht. Wahrscheinlich ist mein autonomes Nervensystem wieder dysreguliert. Ich mache mal die 4-6-3-Übung aus dem Buch über den Vagusnerv: 4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen, 3 Minuten lang. Das reguliert den ventralen Vagus. Dann sollte es mir besser gehen.”
Wenn ich mich bei einer solchen Atemübung auf den ventralen Vagus berufe, gibt das der erwünschten Erleichterung die vielleicht nötige Berechtigung durch wissenschaftliches Vokabular.
Aber das sollte meine direkte Körperwahrnehmung fördern und nicht ersetzen.
Denn solange der abstrakte Bezug auf den Vagus meinen direkten Zugang zum Körper ersetzt, behindert das den nötigen nächsten Schritt.
Der wäre nämlich meine emotionalen Fähigkeiten so zu stärken, dass ich meine in der Brust ausgegrenzten Gefühle integrieren kann. Dabei würde der Atem nicht einem vorgegebenen Rhythmus folgen, sondern den natürlichen Impulsen des emotionalen Prozesses. Das Ergebnis wäre authentische Selbstregulation.
Stütze ich mich stattdessen weiterhin auf den Vagus, verhindert das, dass ich meine natürliche Selbstregulation voll entwickele.
Häufige Einwände und Fragen:
“Aber muss der direkte Zugang nicht erst freigelegt und gestärkt werden?”
Ja, oft. Und zwar möglichst bald und effektiv.
“Von Trauma betroffene Menschen haben häufig einen verminderten Zugang zu ihrer Körperwahrnehmung. Manchmal ist diese direkt mit Unruhe und Angst verknüpft. In diesem Fall kann dann der indirekte Weg über das Nervensystem ein erster Schritt sein.”
Das stimmt natürlich. Aber dann ist dieser indirekte Weg nur eine Behelfsmaßnahme, eine Art Krücke. Gut, wenn wir uns dessen bewusst sind und die Krücke nur für einen begrenzten Zeitraum nutzen – mit dem Ziel, baldmöglichst den direkten Zugang über die Körperwahrnehmung zu fördern. Ansonsten wird die Krücke zur Behinderung.
Außer Reichweite gerückt
Der Fokus auf das Nervensystem ersetzt den spürbaren Bezugspunkt im Körper durch einen abstrakten, der durch so viele weitere Ebenen überdeckt ist, dass er nur indirekt erreichbar ist.
Wenn ich auf den wissenschaftlichen Bezug Wert lege, gäbe es eine andere Ebene, die erheblich näher an der persönlichen Erfahrung wäre. Ich könnte mich auf das Netzwerk der Faszien beziehen. Und zwar speziell der Faszien, die meinen Atemraum (Bauch, Brust und Kehle) durchlaufen und umschließen – und durch Unterdrückung von Gefühlen kontrahiert sein können.
Auch damit wäre die Legitimation durch Wissenschaftlichkeit gegeben, denn die Faszien verfügen mit ihren 250 Millionen Nervenendungen über mehr Sensibilität als die Haut, sie umgeben und verbinden Muskeln, Nerven und Organe – und ihre Verbindung zum autonomen Nervensystem ist gut erforscht.
Und ganz wichtig: Gleichzeitig kann ich ihr Befinden (elastisch, beweglich und weich oder zusammengezogen, fest und begrenzend) direkt spüren.
Dritter Nachteil: Zum Ding gemacht?
Die Neurobiologie hat als Teil der Naturwissenschaften den Anspruch eine objektive Wissenschaft zu sein. Sie verlangt, dass der Forscher selbst mit seiner eigenen Subjektivität und Betroffenheit außen vor bleibt. Ihre Werkzeuge und Methoden funktionieren gut, wenn sie bestimmte Phänomene zu Objekten einer Studie machen und messbare Daten erheben kann. Das wiederum passt gut, wenn es sich um äußere Dinge handelt.
Aber wie ist das, wenn es sich um psychische Prozesse handelt? Um Trauma und seine Heilung? Also nicht um äußere Objekte, sondern um Inneres, um zutiefst Subjektives?
Wenn hier auch die Kriterien und Werkzeuge der objektiven Naturwissenschaft angelegt werden, geraten Dinge in den Fokus, die von außen zu beobachten und messbar sind. Die komplexen inneren Prozesse und ihre Gesetzmäßigkeiten fallen dagegen aus dem Blickfeld heraus. Zudem muss der Forscher seine eigene Subjektivität und menschliche Betroffenheit ausklammern – und Menschen zu Objekten seiner Studie machen.
Dabei wird davon ausgegangen, dass dieses “objektive Vorgehen” möglich macht, die Ursache der inneren Prozesse zu finden. Wenn bei den von außen messbaren Daten eine Ursache-Wirkung-Kette entdeckt wird (z.B. Vagusnerv > Herzfrequenz), dann scheint die Ursache gefunden. Die Frage, ob es eine subjektive Ursache gibt, die wiederum den ersten objektiven Faktor (Vagusnerv) beeinflusst, wird nicht gestellt.
Natürlich ist das Nervensystem im Gesamtorganismus von Körper, Geist und Seele ein wichtiger Aspekt. Aber es ist weder die ursächliche Ebene, noch die Ebene, zu der wir unmittelbar Zugang haben. Es ist eher die Ebene der Verdrahtung.
Was ich mit “Verdrahtung” meine?
Nehmen wir an, wir würden beobachten, dass es immer ungefähr ab 20 Uhr abends in einem Raum hell wird. Um die Ursache herauszufinden, würde ein Wissenschaftler eine Reihe von Versuchen durchführen.
Schließlich würde er sagen, dass er die Ursache gefunden hat. Die einfache Version seiner Theorie: Es wird um 20:00 +/- 5 min. in diesem Raum hell, weil sich ein Stromkreis schließt. Das führt dazu, dass der Strom durch einen speziellen funis cupreus (Kupferdraht) in die Mitte der Decke geleitet wird. Dort wird er durch eine Leuchtdiode (LED) geführt, in der sich zwei Schichten befinden. Die erste weist einen Überschuss an Elektronen auf, die zweite einen Mangel. Bei dem Vorgang, dies auszugleichen, werden Photonen freigesetzt, was wir als Licht wahrnehmen.
Der subjektive und ursächliche Teil der Geschichte, nämlich, dass gegen 20:00 Uhr ein Mensch den Raum betritt und den Lichtschalter betätigt, weil er es aus subjektiven Gründen hell haben will, wird dabei außen vor gelassen.
Ganz parallel ist es, wenn wir sagen, dass das Nervensystem die Ursache für unsere gefühlsmäßigen Zustände ist. Die Frage, was denn die subjektive, seelische Ursache für die Abläufe in unserem Nervensystem ist, bleibt dabei außerhalb des Blickfeldes.
Dieser verkürzte Blick auf das materiell Messbare ist in Zeiten von Epigenetik und Quantenmechanik nicht nur wissenschaftlich veraltet. Er ist auch traumafestigend. Warum?
Der auf die Neurowissenschaften fixierte Ansatz in der Traumatherapie gleicht einem mechanistischen Blick auf uns selbst. So als wären wir ein Mechanismus, für den uns nur das passende Handbuch fehlt, um den richtigen Hebel umlegen und wieder besser funktionieren zu können.
Dieser mechanistische Blick kommt uns normal vor, weil unsere Antigefühlskultur uns zu Dingen machen will, die fremde Erwartungen und objektive Kriterien zu erfüllen haben.
“Komm, sei ein liebes Mädchen. Gib dem Onkel ein Küsschen”. “Nein, ich will nicht!”, hätte sie gerne gesagt.
Hier hätte sich ultimative Subjektivität gegen “normalen” Erwartungsdruck gestemmt. Hier hätte die lebendige Seele gegen “objektive Kriterien” rebelliert.
Wenn nun traumasensible Eltern gesagt hätten. “Okay, du musst nicht, wenn das dein Nervensystem dysreguliert.”, dann wäre natürlich das Ergebnis zu begrüßen. Aber der ausschlaggebende Grund?
Dass ihr Kind aus subjektiven Gründen heraus kein Küsschen geben wollte, muss der ausschlaggebende Grund, die ultimative Autorität dafür sein. Nicht, dass das irgendwo objektiv messbar wäre.
Der objektivierende, zum Ding machende Blick von außen wird auch als “Verdinglichung” bezeichnet und ist oft ein Faktor traumatisierenden Geschehens.
Denn Trauma entsteht nicht zuletzt, wenn wir als fühlende Menschen auf unmenschliche Bedingungen treffen, in denen wir wie unbeseelte Objekte behandelt werden. Wie Dinge, die keine eigene Würde besitzen, die gebraucht oder vernachlässigt werden können, die fremde Erwartungen erfüllen und funktionieren sollen.
Ein zentraler Aspekt von Traumaheilung besteht daher darin, uns vom objektivierenden Blick zu befreien und als fühlende Seelen zurückzugewinnen. Ein zu stark auf das Nervensystem fokussierter Blick läuft dem zuwider.
Warum scheint es so schwer, die Existenz einer fühlenden Seele anzuerkennen? Weil das gegenüber der Antigefühlskultur zu radikal wäre? Weil sie mit Methoden der Naturwissenschaften nicht so leicht nachweisbar ist wie das Nervensystem?
Aber sie ist offenkundig leicht zu beobachten. Wir legen als Menschen alle Wert auf bestimmte emotionale Qualitäten, wie Verbindung, Geborgenheit, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit, Respekt und Selbstausdruck.
Wir können alle damit schwierige, verletzende Erfahrungen machen. Wir können alle diese Erfahrungen verarbeiten – oder ungeheilte Verletzungen und begrenzende Muster (Trauma) davontragen.
Unsere Innenwelt ist hochgradig individuell und subjektiv, doch ihre Gesetzmäßigkeiten sind universell für alle Menschen gleich. Lasst uns so tief ins eigene Innere eintauchen, dass wir das grundsätzlich Menschliche darin finden – das, was uns mit allen anderen Menschen verbindet. Lasst uns dem Subjektiven auf den Grund gehen. So radikal und kompromisslos, dass wir darin die Gesetzmäßigkeiten des Menschseins finden.
Lasst uns die Wissenschaft der Subjektivität entwickeln.
Nachtrag:
Warum bringt die Menschheit seit Tausenden von Jahren immer wieder unmenschliche und traumatisierende Verhältnisse hervor? Jedenfalls nicht, weil es ihr an Wissen um Sympathikus und Parasympathikus gefehlt hat. Oder an Aufklärung über den Hypothalamus und die Amygdala, den ventralen und den dorsalen Vagus.
Sie hat solche Verhältnisse erzeugt und tut es immer wieder, weil sie seit der großen Wellen kollektiven Traumas zunehmend von der Antigefühlskultur geprägt ist. Diese trennt uns von klein auf vom natürlichen Impuls zur seelischen Selbstheilung und ordnet uns dem Notregime der “objektiven Sachzwänge” unter.
Es ist Zeit, dass wir uns als fühlende Seelen zurückgewinnen.
Höchste Zeit …
Deutsch:
Guter Überblick und leicht verständlich:
Dr. Stemper …
Englische Ursprungstexte:
Kritik von Grossman und anderen (Englisch) …
Kritik von Osteophaten:
Psychosomatische Osteopathie
Entgegnung
Polyvagal Institute …


Hallo Demian, Ich finde der Bereich Vorteile ist ziemlich dünn besiedelt. Wahrscheinlich würden die Anhänger der PVT mehr Vorteile nennen.
Danke Möhrenbär,
Klar, ich nenne 2 wackelige Vorteile gegenüber drei soliden Nachteilen.
Ich sage ja, die Polyvagal-Theorie und der ganze Nervenfokus werden in ihrer Rolle überschätzt.
Finde ich jedenfalls. (Bisher).
Wenn Du selbst oder jemand, den Du kennst, hier andere Aspekte einbringen will, bitte unbedingt in die Kommentare posten. Vielleicht ändert sich meine Einschätzung noch …
Hallo Demian,
über deinen Newsletter bin ich hierher zu deinem Blogartikel gelangt.
Auch wenn ich KEIN trauma-sensibler Coach bin (habe früher vertriebsorientierte Coachings gemacht), so bin ich insofern betroffen, als ich multiples transgenerationales Trauma erlebt habe. Das wurde mir Puzzlestein für Puzzlestein im Laufe meiner Lebensjahrzehnte bewusst. Wie sich das auf das Nervensystem und auch (in früheren Jahren schwer beherrschbare) Emotionen auswirkt, habe ich selbst erlebt.
Heiler, Therapeuten, Coaches, … können es vielleicht nicht verstehen: Das Gros meiner Erkenntnisse stammt aus jahrelanger Selbstwahrnehmung und -reflexion sowie entsprechenden Schlussfolgerungen.
Das soll aus meiner Sicht heißen: Jeder Mensch ist prinzipiell in der Lage, sich wieder in die Balance zu bringen – egal, wie schwer das vielleicht sein mag. DAS ist m. E. unser “Job” als Mensch. Und dazu haben wir ein Leben lang Zeit. Und ja, das Trauma – vor allem in unserer sog. westlichen Welt – ist ein kollektives. Insofern sind wir alle betroffen – bewusst oder (noch) unbewusst.
Alle (psychologischen) Konzepte sind – wenngleich das vielleicht etwas krass klingen mag – nur das, was der Name sagt: Konzepte.
Ich persönlich liebe Dinge, die einfach sind. Beispiel: Wenn ich Verspannungen oder Verhärtungen im Körper merke, gehe ich mit ihnen in den Dialog und frage sie, was ihre Botschaft für mich ist und was sie von mir brauchen. Bisher habe ich noch immer Antworten erhalten. 😉
Vielleicht passt mein Kommentar nicht so ganz – das jedoch fiel mir spontan zu deinem Blogartikel ein, Demian.
Viele Grüße, Amarana
Liebe Amarana,
Dein Kommentar passt natürlich gut. 🙂
Und er bestärkt die Richtung, die ich so wichtig finde: dass wir unserer direkten Wahrnehmung vertrauen können. In Deinem Beispiel dem innere Dialog mit dem Körper. Und wie Du sagst: “Jeder Mensch ist prinzipiell in der Lage, sich wieder in die Balance zu bringen – egal, wie schwer das vielleicht sein mag.”
Und mein Senf dazu: Wir können diese Fähigkeit auch direkt stärken. Egal wie schwach oder entwickelt sie gerade ist.
Alles Liebe,
Demian
Hallo Demian! Erstmal möchte ich dir sagen, dass ich deine Arbeit schätze. Ich habe einen Gedanken dazu: Geht die Arbeit mit dem Nervensystem und die Integration unterdrückter Gefühle nicht Hand in Hand? Ich verstehe, dass du genervt bist von dieser Fokussierung lediglich auf das Nervensystem , aber um Gefühle da sein lassen zu können, braucht es ja glaube ich erstmal eine gewisse Sicherheit im Körper und Regulation des Nervensystems 🙂 alles Liebe und liebe Grüße aus Tarragona, Anne
Hallo Anne, schön etwas von Dir zu hören!
Ja, ich sage ja auch im Artikel. dass das vorkommen kann. Ein stark dysreguliertes Nervensystem kann es schwer machen, an der direkten (Körper-)wahrnehmung anzusetzen. Aber auch in diesem Fall sind Regulationsübungen nur ein erster Schritt.
Im zweiten und entscheidenden Schritt geht es darum, sich vollständig von den Folgen der Antigefühlskultur zu befreien. Wenn ich dann die Gefühle nicht nur da sein lassen, wenn ich sie willkommen heißen und direkt Integrieren kann – dann reguliert sich das Nervensystem von selbst.
Du sagst es selbst sehr schön: Die Arbeit mit dem Nervensystem und die Integration unterdrückter Gefühle kann Hand in Hand gehen.
Alles Liebe für Dich,
Demian